Zerstörte Stadt: Christchurch’s RED ZONE

Sonntag  31. März 2013
Glentunnel – Christchurch, Kilometer 90

Gegen 10 Uhr haben wir Glentunnel verlassen und erreichten nach ca. 1 Stunde unser Endziel Christchurch. In der Nähe des Botanischen Garten haben wir einen Parkplatz gefunden, so dass wir die Innenstadt zu Fuss erkunden konnten. Was wir beim Hineinfahren gar nicht gesehen haben, kam bereits nach wenigen Minuten Fussmarsch Richtung Zentrum zum Vorschein: die Schäden vom Erdbeben. Somit wurde unsere Tour zu einer Stadtbesichtung der anderen Art.
Am 22. Februar 2011, 12:51 Uhr Ortszeit, erschütterte ein Erdbeben der Stärke 6,3 die Stadt Christchurch. 185 Menschen wurden getötet, rund 70 Prozent der Gebäude im Zentrum zerstört oder unbewohnbar gemacht.
310313-7Fast die gesamte Innenstadt – jetzt „Red Zone“ genannt – ist gesperrt. In der Luft hängt der Geruch von Staub und Mörtel. Christchurch wird nie mehr so sein, wie Stefan es vor 22 Jahren während 2 Wochen kennenlernte.
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Wir laufen um die RED ZONE herum und sehen eine Stadt, die aussieht, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Hinter hohen Drahtzäunen ziehen sich verlassene Ladenzeilen hin mit kaputten Fensterscheiben, halb eingefallenen Häusern oder bereits leergeräumten Baustellen. An einigen Stellen wächst Gras durch die Narben, die das Beben in den Asphalt gerissen hat. Eine Geisterstadt. Plastiktüten wehen am diesem Ostersonntag durch die ausgestorbenen Straßen. An gewissen Stellen wie bei der berühmten Cathedral Square, ist das Militär präsent und schaut, dass von den zahlreichen Touristen niemand in die Zone eindringt.
310313-2Hier auf dem Bild sieht man noch gut das Schachfeld wo Stefan dazumal fast jeden Tag mit Einheimischen ein Partie spielte. Am Mittag wurde dann meistens dem Stadtsprecher zugehört, der auf diesem Platz die neusten News erzählte. Heute Red Zone, Zugang nicht möglich. Es macht einem richtig weh sowas zu sehen.
Gabi macht etwas zögernd Fotos, Stefan ist am Filmen.

310313-4310313-6Irgendwie komisch eine solche Katastophe aufzunehmen, aber schlussendlich ist das ein Teil vom Leben, die Zerstörung genauso wie der Wiederaufbau. Im Visitor Center werden Touren angeboten zur Red Zone und wir können auch immer wieder beobachten wie Helikopter über der Stadt kreisen. Wahrscheinlich auch Scenic Touren. Business as usual. In der improvisierten Fußgängerzone mit Geschäften in bunten Containern, die von den Initiatoren des Projekts Re:START aufgestellt wurden, manifestiert sich der Wille zur Normalität: Strassenmusiker spielen, Leute laufen herum, alles ist mit Pflanzen dekoriert, aber eine wirkliche Innenstadtatmosphäre will nicht aufkommen. Vielleicht liegt dies auch an den Bildern der Verstorbenen, die zur Erinnerung an die Drahtzäune geheftet wurden.
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Es ist kaum zu glauben, was so ein Erdbeben in einer Minute alles zerstören kann. Schon sind  zwei Jahre vergangen aber wir können noch nichts von einem möglichen Aufbau sehen. Auf Plakaten wird zwar überall gezeigt, wie die Stadt nachher erdbebensicher aussehen soll mit einer komplett neuen Innenstadt, wann dies aber sein wird, steht nirgends. Es wird sicher noch Jahre dauern.
Überigens: seit dem verherrenden Beben vor 2 Jahre hat es in Christchurch schon über 10000 weitere Erschütterungen gegeben, die aufgezeichnet wurden. In dieser Zeit haben ca. 70000 Einwohner die Stadt verlassen. Christchurch ist aber immer noch die zweitgrösste Stadt Neuseelands.

 

Temperatur bis 27 Grad

So, das war’s mit Neuseeland Live. Morgen Ostermontag 1. April werden wir nach Sydney fliegen und dort noch ein paar Tage bleiben. Wir hoffen, es hat euch gefallen, unsere Reise quer durch dieses schöne Land mitzuverfolgen. Angesichts der tiefen Temperaturen in Europa, mag es hart gewesen sein unsere sonnigen Strandbilder anzuschauen. Möge das ein oder andere Bild euch ein wenig Sonne in euren Altag gebracht haben.

Eure Kiwis, Stefan und Gabi, Christchurch 2013

2 Gedanken zu „Zerstörte Stadt: Christchurch’s RED ZONE

  1. Beat

    So schnell vergeht die Zeit, ich habe Eure Reise gerne „auch etwas neidisch :-)“ mitverfolgt. Ein grosses Kompliment von meiner Seite. Der Blog war sehr informativ und klasse geschrieben. Stefan, ich wusste gar nicht das Du schornalistisch so begabt bist 😉 Eine schöne Woche in Down Under.

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