Archiv für den Monat: März 2013

Zerstörte Stadt: Christchurch’s RED ZONE

Sonntag  31. März 2013
Glentunnel – Christchurch, Kilometer 90

Gegen 10 Uhr haben wir Glentunnel verlassen und erreichten nach ca. 1 Stunde unser Endziel Christchurch. In der Nähe des Botanischen Garten haben wir einen Parkplatz gefunden, so dass wir die Innenstadt zu Fuss erkunden konnten. Was wir beim Hineinfahren gar nicht gesehen haben, kam bereits nach wenigen Minuten Fussmarsch Richtung Zentrum zum Vorschein: die Schäden vom Erdbeben. Somit wurde unsere Tour zu einer Stadtbesichtung der anderen Art.
Am 22. Februar 2011, 12:51 Uhr Ortszeit, erschütterte ein Erdbeben der Stärke 6,3 die Stadt Christchurch. 185 Menschen wurden getötet, rund 70 Prozent der Gebäude im Zentrum zerstört oder unbewohnbar gemacht.
310313-7Fast die gesamte Innenstadt – jetzt „Red Zone“ genannt – ist gesperrt. In der Luft hängt der Geruch von Staub und Mörtel. Christchurch wird nie mehr so sein, wie Stefan es vor 22 Jahren während 2 Wochen kennenlernte.
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Wir laufen um die RED ZONE herum und sehen eine Stadt, die aussieht, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Hinter hohen Drahtzäunen ziehen sich verlassene Ladenzeilen hin mit kaputten Fensterscheiben, halb eingefallenen Häusern oder bereits leergeräumten Baustellen. An einigen Stellen wächst Gras durch die Narben, die das Beben in den Asphalt gerissen hat. Eine Geisterstadt. Plastiktüten wehen am diesem Ostersonntag durch die ausgestorbenen Straßen. An gewissen Stellen wie bei der berühmten Cathedral Square, ist das Militär präsent und schaut, dass von den zahlreichen Touristen niemand in die Zone eindringt.
310313-2Hier auf dem Bild sieht man noch gut das Schachfeld wo Stefan dazumal fast jeden Tag mit Einheimischen ein Partie spielte. Am Mittag wurde dann meistens dem Stadtsprecher zugehört, der auf diesem Platz die neusten News erzählte. Heute Red Zone, Zugang nicht möglich. Es macht einem richtig weh sowas zu sehen.
Gabi macht etwas zögernd Fotos, Stefan ist am Filmen.

310313-4310313-6Irgendwie komisch eine solche Katastophe aufzunehmen, aber schlussendlich ist das ein Teil vom Leben, die Zerstörung genauso wie der Wiederaufbau. Im Visitor Center werden Touren angeboten zur Red Zone und wir können auch immer wieder beobachten wie Helikopter über der Stadt kreisen. Wahrscheinlich auch Scenic Touren. Business as usual. In der improvisierten Fußgängerzone mit Geschäften in bunten Containern, die von den Initiatoren des Projekts Re:START aufgestellt wurden, manifestiert sich der Wille zur Normalität: Strassenmusiker spielen, Leute laufen herum, alles ist mit Pflanzen dekoriert, aber eine wirkliche Innenstadtatmosphäre will nicht aufkommen. Vielleicht liegt dies auch an den Bildern der Verstorbenen, die zur Erinnerung an die Drahtzäune geheftet wurden.
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Es ist kaum zu glauben, was so ein Erdbeben in einer Minute alles zerstören kann. Schon sind  zwei Jahre vergangen aber wir können noch nichts von einem möglichen Aufbau sehen. Auf Plakaten wird zwar überall gezeigt, wie die Stadt nachher erdbebensicher aussehen soll mit einer komplett neuen Innenstadt, wann dies aber sein wird, steht nirgends. Es wird sicher noch Jahre dauern.
Überigens: seit dem verherrenden Beben vor 2 Jahre hat es in Christchurch schon über 10000 weitere Erschütterungen gegeben, die aufgezeichnet wurden. In dieser Zeit haben ca. 70000 Einwohner die Stadt verlassen. Christchurch ist aber immer noch die zweitgrösste Stadt Neuseelands.

 

Temperatur bis 27 Grad

So, das war’s mit Neuseeland Live. Morgen Ostermontag 1. April werden wir nach Sydney fliegen und dort noch ein paar Tage bleiben. Wir hoffen, es hat euch gefallen, unsere Reise quer durch dieses schöne Land mitzuverfolgen. Angesichts der tiefen Temperaturen in Europa, mag es hart gewesen sein unsere sonnigen Strandbilder anzuschauen. Möge das ein oder andere Bild euch ein wenig Sonne in euren Altag gebracht haben.

Eure Kiwis, Stefan und Gabi, Christchurch 2013

Entspurt Richtung Christchurch

Samstag 30. März 2013
Oamaru – Glentunnel, Kilometer 232

Es geht zügig weiter Richtung Christchurch, wo wir morgen Sonntag ankommen wollen. Erster nennenswerte Halt ist Timaru.
300313-2300313-1Hier machen wir an der Caroline Bay eine Pause und schauen uns ein Junior-Segelbootrennen an, das gerade vom ortsansässigen Jachtclub veranschaltet wird. Hier wird wohl der Nachwuchs erkoren um vielleicht mal die Alinghi zu schlagen!!!
Timaru ist mächtig gewachsen verglichen zu 1991 als Stefan das letzte Mal hier war. Die  Weiterfahrt führt uns über Geraldine in die Kornkammer von Neuseeland. So heisst die Gegend hier um Christchurch. Korn haben wir aber kaum gesehen, dafür wieder viel Weideland mit Schafen, Rindern, Rehen und Hirschen. Über den Highway 72 geht es dann immer weiter ins Landesinnere und nahe an die Berge heran. Hier befindet sich auch das berühmte neuseeländische Mount Hutt Skigebiet. Natürlich nicht zu vergleichen mit unseren Alpen; aber im Winter soll da wirklich einiges abgehen. Insgesamt müssen wir gestehen, dass der heutige Streckenabschnitt landschaftlich und auch sonst wenig Besonderes zu bieten hatte. Im Ort Glentunnel, ca. 60 Kilometer vor Christchurch finden wir einen Campground. Morgen, am Ostersonntag bei ca. 25 Grad, gehen wir dann die zweitgrösste Stadt Neuseelands anschauen, in der Hoffnung es gibt auch was zu sehen. Immer noch sollen einige Teile der Stadt wegen des Erdbebens von 2011 gesperrt sein. Wir werden es sehen.

Temperatur bis 26 Grad.

Architektur, runde Steine und Pinguine

Freitag 29. März 2013
Dunedin – Oamaru, Kilometer 144

Am Morgen zuerst mal Stadtbesichtung von Dunedin. Es ist Karfreitag und daher wirkt die Stadt wie ausgestorben. Alle Geschäfte haben geschlossen.
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290313-3Wir schlendern ein wenig durch die von Schotten angelegte Innenstadt mit breiten Strassen und achteckigem Platz als Zentrum. 120000 Einwohner hat Dunedin und ist somit die 5 grösste Stadt Neuseelands. Am bekanntesten ist der 1906 eröffnete Bahnhof, der zwar heute auch noch in Betrieb ist aber der Bahnverkehr hält sich doch sehr in Grenzen. Ausser das von hier die Taieri Gorge Eisenbahn startet, sieht es nicht so aus, als würde hier zu Geschäftzeiten Rushhour herrschen. Die meisten Neuseeländer gehen mit dem Auto oder dem Bus zur Arbeit. Was man in Dunedin sicher anschauen sollte ist das Settler Museum. Hier werden alle ersten Siedler erwähnt, die um 1820 und später hauptsächlich von Grossbritannien aus Dunedin erreichten. Es gibt eine richtige Ahnengalerie und man könnte wahrscheinlich noch heute herausfinden, ob seine Vorfahren mal so eingewandert sind. Eintritt ist übrigens frei. Gegen Nachmittag verlassen wir Dunedin und fahren weiter nordwärts. Bei den Moeraki Boulders machen wir kurz einen Halt und schauen uns die runden Steine im Meer an.
290313-9290313-4Wissenschaftler sind sich heute immer noch nicht ganz einig, wie diese runden Steine entstanden sind. Da die Steine nur bei Ebbe zu besichtigen sind, hat Stefan mal einen an Land gerollt damit dieser auch bei Flut zu sehen ist.
In Waianakarua fahren wir wieder an die Küste und sehen bei unserem späten Mittagessen wieder mal Seehunde.
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Stefan ist schon am überlegen, ob er jetzt schon wieder die Kamera holen soll. Vor einigen Tagen in Westport sind wir noch den Hügel hinaufgesprintet um endlich mal einen Seehund vor die Kamera zu bringen, da waren diese kaum zu sehen; jetzt laufen uns die Viecher beinahe jeden Tag über den Weg und sind keine 10 Meter mehr entfernt. Begegnungen sind fast schon Routine geworden.
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Gegen Abend erreichen wir Oamaru. Hier gibt es zwei Pinguin Arten, die Blauaugen- und die Gelbaugen, die jeden Abend vom Meer ans Ufer watscheln. Eigens für dieses Ereignis wurde fast eine richtige Tribüne errichtet mit Premium- und Economy-Sitzplätzen, damit man auch einen guten Blick auf den Strand hat wenn die Pinguine kommen. Und tatsächlich um ca. 20 Uhr treffen die ersten Blauaugenpinguine ein. Das Ganze dauert ca. eine Stunde und leider ist weder Fotografieren noch Filmen erlaubt. Was machen die bloss wenn die Pinguine mal nicht kommen? Dies wird kaum geschehen, denn alle Pinguine kehren immer wieder dorthin zurück, wo Sie geboren worden sind. Zur Brutzeit können es bis zu 70 sein, heute waren es gerade mal 25.
290313-1Fast noch imposanter waren aber die Kormorane, die sich ausserhalb Oamaru auf einem stillgelegtem Steg breitmachten. Abertausende versammeln sich hier jeden Abend um beim Eindunkeln gemeinsam zu ihren Schlafplätze an der steilen Küsten zu fliegen.

Temperatur bis 25 Grad

Grandiose Küstenlandschaft in den Catlins

Donnerstag, 28. März 2013
Curio Bay – Dunedin,  Kilometer 208

Am schönen Sandstrand der Curio Bay konnten wir am Morgen noch zwei Surfern zuschauen, die mit drei Delfinen spielten. Die Tiere sind immer wieder erstauntlich nahe an die Surfern herangeschwommen. Es ist eine einsame Gegend hier in den Catlins.
280313-1Auf den ersten 30 Kilometer begegnen wir keinem Auto. Neuseeland zeigt sich wieder von seiner Sonnenseite. Keine einzige Wolke am Himmel und schon morgens angenehm warm. Unterwegs schauen wir uns kurz einen kleinen See und zwei Wasserfälle an. In Owaka, 400 Einwohner und somit grösster Ort in den Catlins, finden wir endlich eine Dumpstation. Unser Abwasser ist randvoll und muss zwingend mal abgelassen werden. Nach diesem verschlaffenen Nest fahren wir wieder an die Küste zurück zum Nugget Point.
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280313-5Hier, in dieser eindrücklichen Landschaft, steht ein schöner Leuchturm, der nur über eine staubige Schotterstrasse und anschliessendem Fussweg erreichbar ist. Die Aussicht, 76 Meter über dem Meeresspiegel, ist aber grandios. Mit unserem Fernglas können wir auf den vorgelagerten Felsen viele Seehunde erspähen. Weiter geht es zum Kaka Point, wo wir direkt am Strand Mittagspause machen.
280313-4Mit 27 Grad ist heute einer der wärmsten Tagen auf unserer Reise. Gabi versucht es mit einem Bad im Meer, doch daraus wird nichts, da das Meer doch zu kalt ist. Zurück auf dem Highway geht es zügig weiter Richtung Balclutha, Milton und nach Waihola. An der windigen, mit hohen Wellen versehenden Küste fahren wir weiter über Brighton nach Dunedin. In Dunedin sind wir froh, dass Stefan kurz vor unserer Reise ein gratis Navi auf sein IPhone geladen hat, sonst hätten wir unseren Kiwi Campground am Stadtrand wahrscheinlich nie gefunden.
280313-6Am Abend besuchen wir noch den Strand von Dunedin und sehen den vielen Surfern zu, die sich mit bis zu 3 Meter hohen Wellen herumschlagen. In Dunedin verlassen wir die Southern Catlins wieder. Diese Gegend gehört wohl definitiv zu den schönsten Ecken von Neuseeland und kann ohne Weiteres mit den bekannteren Gegenden wie Bay of Island oder Coromandel mithalten.

Temperatur bis 27 Grad.

Zu den Schotten und zum südlichsten Punkt Neuseelands

Mittwoch, 27. März 2013
Clifden – Curio Bay,  Kilometer 265

Die vergangene Nach war a….kalt. Sich morgens um 8 Uhr bei 4 Grad im Camper zu waschen und anzuziehen ist nicht gerade ein Vergnügen. Da heisst es schnell machen um warm zu werden.
Schon bald ging die Fahrt weiter Richtung Süden alles auf der Southern Scenic Route. Wir durchquerten schlafende Städte wie Tuatapere, Orepuki und Riverton, wo jedes vierte Haus mit „For Sale“ angeschrieben ist. Stefan hat fast eine Hütte gekauft…. ach herrje und das noch direkt an der Beach :-).
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Menschen sehen wir kaum und auch auf den Strassen zwischen den Orten gibt es sozusagen keinen Verkehr. Einzig riesige Schafherden sehen wir jetzt mehr und mehr.
270313-6In Invercargill, wegen der ersten Siedler eine Stadt mit schottischen Wurzeln, machen wir einen kleine Spaziergang. Mit 50 000 Einwohnern ist es die drittgrösste Stadt auf der Südinsel. Alles ist schachbrettartig angelegt mit sehr breiten Strassen, an denen noch einige recht schöne alte Häuser stehen.

Ein Besuch von Bluff, dem südlichsten Ort Neuseelands darf natürlich auch nicht fehlen, ansonsten nichts berauschendes. Hier erklimmen wir den Bluff Hill, von dem wir einen schönen Blick auf Stadt und Küste haben, sowie auf Steward Island, die Insel fast ohne Strassen für Naturfreunde, nur 30 km entfernt.
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Die Weiterfahrt bringt uns ins Land der Southland Catlins (dem südlichsten Teil von Neuseeland zwischen Invercargill und Dunedin), eine einsame Gegend, wo eine Internetverbindung genauso ein Fremdwort ist wie ein Mobilnetzverbindung. Wenn man einen Neuseeländer fragt wo die Schönste Gegend im Land ist, dann werden die Catlins meistens als erste genannt und einem Neuseeländer sollte man eigentlich nicht Wiedersprechen. Wir, wir tun das auch nicht.
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Über Fortrose geht es weiter zum Waipapa Point, wo wir drei Seelöwen beobachten können, wie sie am Ufer und im seichten Wasser miteinander herumtollen.
270313-1Über eine staubige Schotterstrasse erreichen wir den Slope Point, den südlichsten Punkt Neuseelands. Von hier aus sind es 4803 km bis zum Südpol. Näher dran werden wir wohl nie kommen. In der Abenddämmerung fahren wir weiter bis zur Curio Bay, unserem Schlafplatz für die nächste Nacht. Der einfache Campingplatz auf einem Kliff ist gut besucht und wir ergattern gerade noch den letzten Platz mit Stromanschluss.

Noch etwas Spezielles zum Schluss. Vor drei Wochen waren wir am Cape Reinga, am nördlichsten Punkt Neuseelands, heute waren wir in Bluff am „fast“ südlichsten Punkt. Seit dieser Zeit ist Neuseeland um 51 Kilometer geschrumpft!! Vielleicht durch ein Erdbeben, mit anschliessender Landvernichtung? Keine Ahnung aber man schaue sich die Bilder an.
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Links in Cape Reinga = Distanz nach Bluff 1452 Km, Rechts Bluff = Distanz nach Cape Reinga 1401 Km. Das solle einer verstehen.

 

Temperatur am Nachmittag 25 Grad.

Mit dem Schiff durch den Milford Sound

Dienstag, 26. März 2013
Milford Sound  – Clifden, Kilometer 203

Eigentlich hätten wir heute morgen noch 40 NZD für das Übernachten auf dem Parkplatz bezahlen müssen, so war es zumindest auf den Tafel überall angeschrieben. Aber niemand kam zum Einkassieren. Auch gut – tut unserer Urlaubskasse gut.
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Am Vormittag starten wir zu unserer 2 1/2 stündigen Schifffahrt durch den Milford Sound, einmal bis zur offenen Tasman See und wieder zurück (85 NZD). Wir haben eine sogenannte 260313-3Natural Tour gebucht, hatten also einen Guide, der während der Reise Flora und Fauna erklärt hat. Super war, dass das Schiff mehrmals ganz nah an die Wasserfälle herangefahren ist, was nur möglich ist, da die Uferwände (auch unter Wasser) so steil sind. Neben den Seehunden waren vor allem die Delphine ein Erlebnis: sie schwammen eine ganze Zeitlang neben uns her, immer wieder aufspringend um Luft zu holen und in einer irren Geschwindigkeit. Eine Schifffahrt durch den Sound ist wirklich sehr schön und sollte auf keiner Neuseelandreise fehlen. Da das Wetter heute auch mitspielte und die Sonne lachte, war auch die 120 km lange Rückfahrt ein Erlebis erst durch die engen tiefeingeschnittenen Fjordtäler, dann durch’s waldige Hügelland und schliesslich über Ebenen, die vom trockenen Tussockgrass sand-golden scheinen.
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Wir fahren heute noch bis Clifden, wo wir auf einem gratis Camping am Fluss direkt an einer alten Hängebrücke übernachten. Grad neben uns eine grosse Wiese, die sich Schafe und Rehe teilen.

Temperatur bis 21 Grad

Durch’s Fjordland: Im Tal der fallenden Wasser

Montag, 25. März 2013
Mossburn – Milford Sound , Kilometer 184

250313-3250313-4Bevor wir unsere Farm verlassen gestatten wir den Tieren nochmals einen Besuch ab. Schliesslich kann man nicht alle Tage Schafe und Alpakas streicheln. Gemäss dem Farmer rentiert sich die Schafzucht nicht mehr, weil die Wolle immer weniger einbringt. Viele wären auf Milchvieh umgestiegen. Warum der Liter Milch hier dann teuer als in der Schweiz ist, fragen wir: er meint, das Meiste verdienten die Supermärkte dran und die wären fast alle in australischer Hand.
Einen ersten Stopp machten wir in Te Anau, dem Eingangstor zum Fjordland Nationalpark. Im Info Center besorgen wir Wanderkarten und buchen für morgen schon mal eine Schifffahrt auf dem Milford Sound. Wir haben Glück, die Strasse dorthin, die gestern noch wegen zu starkem Regen und vermutlich drohenden Hangrutsch gesperrt war, ist heute wieder offen. Zwar fahren wir den ganzen Tag unter grauem Himmel und oft regnet es, aber für morgen ist die Prognose besser. Überhaupt ist die Geschwindigkeit mit der in Neuseeland das Wetter wechselt erstaunlich: wir hatten heute mehrmals Temperaturschwankungen von 8 Grad innerhalb von 20 Minuten, vom Wechsel Regen-Trocken-Regen ganz zu schweigen. Dafür gab’s in der Ferne auch ein paar Mal Regenbogen. Was der viele Regen, der hier niedergeht bewirkt, konnten wir auf einer unserer Wanderungen zum Lake Gunn sehen: der ganze Wald ist so stark vermoost, dass man das Gefühl hat, jemand hätte alles mit grünen Samt ausgekleidet. Und das Moos hier ist viel viel dicker als wir es von der Schweiz her kennen. Drückt man es aus, tropft es heraus wie aus einem Schwamm.
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Beim Parkplatz The Chasm (schöner Spaziergang zum Wasserfall) sehen wir zum ersten Mal die in dieser Gegend typischen Papageien, die frechen Keas.  Die letzte knappe Fahrstunde bis zum Sound führt durch Fjordlandschaft mit steilen Hängen an denen unzählige Wasserfälle hinabstürzen. Nach dem berühmten fast unbeleuchteten Homer-Tunnel, durch den der Verkehr mittels Ampel abwechselnd einspurig geführt wird, geht es steil abwärts bis zum Fjord hinunter. Milford Sound ist eigentlich kein Ort: hier gibt es ein Terminal von dem die Ausflugsschiffe aus starten mit grossem Parkplatz, einen kleine Flugplatz, ein Cafe/Restaurant, zwei Lodges. Das ist auch schon alles. Wir entschliessen uns den Camper für die Nacht auf dem Parkplatz stehen zu lassen, grosse andere Möglichkeiten gibt es nicht. Nicht gerade heimelig, aber zweckmässig, da wir morgen zuerst mit dem Schiff rausfahren werden.

Temperatur bis 17 Grad

In der Stadt der Adrenalien-Freaks

Sonntag, 24. März 2013
Queenstown – Mossburn, Kilometer 127

Gegen 9.30 Uhr verliessen wir unseren idyllischen Campground am See und fuhren in das quirlige Queenstown, das sich seit dem letzten Besuch von Stefan vor 22 Jahren so rasant entwickelt hat. Die Backpackers Unterkunft, die damals noch vor der Stadt fast auf grüner Wiese lag, ist jetzt von Hotels, Motels und Appartements eingekreist.
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Wir schlendern durch die schon am Sonntagmorgen gut besuchten Downtownstrassen mit unzähligen Geschäften, vor allem Souvenir- und Outdoorläden. Hauptattraktion sind hier die vielfältigen Abenteuer- und Adrenalinaktivitäten wie Bungy-Jumping, Speedbootfahren, Mountainbiken, Canyoning und tausend mehr. Das Angebot ist unermesslich und geht schnell ins Geld. Wer den letzten Kick braucht ist hier richtig. Man versteht hier so ziemlich aus allem Geld zu machen. So wird z.B. von jeder Gondelkabine ein Bild gemacht und dies nachher natürlich zum Verkauf angeboten. Eine automatische Kamera löst bei jedem vorbeikommenden Sessellift ein Bild aus, egal, ob jemand drauf sitzt oder nicht.
240313-4240313-1Überrascht haben uns die hohen Preise der Adrenalinkicks, selbst für Schweizer Verhältnisse, z.B. 1 Stunde Jetboot fahren 129 NZD. Wir leisteten uns zumindest eine Gondelfahrt auf den Bob’s Peak (26 NZD) von wo aus man eine traumhafte Aussicht auf die Stadt, den See und das bergige Umland hat. Auf andere Kicks verzichteten wir vor allem auch weil das Wetter nicht wirklich mitspielte und es ständig wieder anfing zu regnen.
Einen grossen Supermarkt gibt es nur ca. 10 km ausserhalb Queenstown, den wir am Nachmittag noch aufsuchten um unseren Camperkühlschrank noch einmal zu füllen. Obwohl heute Sonntag ist, war hier der Bär los.
Am See Wakatipu entlang ging es Richtung Süden, denn unser morgiges Ziel ist Te Anau und der Milford Sound. Ob wir tatsächlich in den Milford Sound gehen können ist noch gar nicht sicher, da die Strasse heute immer noch gesperrt war. Der Grund ist uns nicht bekannt. In Mossburn, mitten im Nirgendwo, fanden wir einen Campground auf einer Farm. Eine schöne Anlage, auf der der Besucher abends den sympathischen jungen Farmer zur Fütterung der Tiere begleiten kann und so ganz nebenbei noch vieles über Schaf- und Alpakazucht in Neuseeland erfährt. Natürlich hat Stefan es versäumt ein Foto zu machen als Gabi gerade die Alpakas und Schafe fütterte – ein echter Verlust. Man muss dazu aber auch noch erwähnen, dass es in Strömen geregnet hat.

Temperatur 18 Grad

Über den Haast-Pass nach Queenstown

Samstag, 23. März 2013
Haast – Queenstown, Kilometer 240

230313-6Bevor wir Haast verlassen geht’s noch in die „Shopping Zone“, schliesslich mussten wir wenigsten einem der zwei Läden etwas Umsatz bescheeren: Wir kaufen ein Opossum Fell. Jagd und Handel mit allen möglichen Produkten hergestellt aus den Opossums sind in Haast neben dem Tourismus fast der einzigste Industriezweig. Wir verlassen den Ort, um den Haast Pass 562 m zu überqueren, die niedrigsten Überquerungsmöglichkeit der Southern New Zealand Alps. Für uns Schweizer eine Geländeerhebung. Als Stefan im Jahr 1991 über den Haast Pass gefahren ist war dieser noch ungeteert. Seit 1995 ist auch dieser Übergang nicht mehr so staubig.
Kurz vor Makarora machten wir eine kleine Wanderung zu den Blue Pools, ein aufgestauter Flusslauf in dem das glasklare Wasser strahlend blau schimmert. 230313-1Die 230313-2Weiterfahrt führt uns am Lake Wanaka vorbei, wo wir vom starken Wind davon getragen werden. Einen 7 Meter Camper auf der Strasse zu halten, wenn einem das Stehen schon schwerfällt, ist nicht lustig.
230313-3Weiter führt die Stasse am sehr schönen Lake Haweka entlang nach Wanaka. Hier in dieser Gegend wurden einige Szenen gedreht zum Film „Herr der Ringe“. In Wanaka kurzer Stopp um was zu Essen und um den Blog mal wieder upzudaten. Ab hier funktioniert Internet über unseren Vodafone Stick wieder. Um nach Queenstown zu gelangen nehmen wir die Crown Range Road über Cardrona.
230313-4230313-5Diese Strasse ist im Winter gesperrt, da sie über den höchsten geteerten Pass von Neuseeland führt, immerhin auf 1076 Meter über Meer. Kurz vor Queenstown noch ein Abstecher nach Arrowtown: In der ehemalige Goldgräberstadt wurden liebevoll mehr als 60 Gebäude aus dem 19. Jahrhundert renoviert. In Queenstown angekommen, trifft einen fast der Schlag. Nach der einsamen Westküste und den meist verlassenen Ortschaften, herrscht hier eifig Jubel Trubel. Schon 1991 als Stefan hier war, war Queenstown ein vergnügungs und abenteuerlustiges Städtchen;  jetzt hat sich hier alles verzehnfacht. Vom beschaulichen Städtchen scheint nicht mehr viel übrig zu sein. Wir werden uns das morgen Sonntag mal genauer anschauen. Camping ca. 10 km ausserhalb Queenstown Richtung Glenorchy auf einem DOC Platz.

Temperatur bis 20 Grad

Noch etwas für Statistik-Interessierte. Bis heute 23. März;
– 3394 Kilometer gemacht
– 340 Liter Diesel getankt, Schnitt 10L/100km
– 3000 Neuseeland Dollar gebraucht, ups….
– 6 Stunden (45 GB) Filmmaterial mit der Canon XA10, oje….
– 1500 Digitale Bilder mit der Canon D550
– 7000 Digitale Bilder gemacht mit der Gopro HD2 (Zeitraffer)
– 35 GB nur Filmdaten mit der Gopro HD2, ojeoje….

230313-7Auflösung zum Vogelbild vom 20. März. Wie in einem Kommentar richtig erwähnt handelt sich es hier um eine Wekaralle, eine neuseeländische flugunfähige Vogelart. Die Neuseeländer sagen kurz „Weka“. Dieser Vogel ist häufig bei Rastplätzen anzutreffen und ist recht zutraulich. Wir haben auch schon Busstouristen gesehen, die beim Aussteigen „Hier ist ein Kiwi“ gerufen haben.

Die eisigen Gletscher der Westküste

Freitag, 22. März 2013
Lake Ianthe – Haast, Kilometer 265

220313-4Heute Morgen war ein wenig früher Tagwache als sonst. Um 8.30 Uhr sind wir schon auf der Strasse. Die Landschaft ist noch halb im Nebel eingetaucht als wir über den menschenleeren Highway fahren.  Wir machen einen Abstecker zur Küste, ins 13 km entfernte Okarito, wo wir kurze Zeit am Strand verbringen. Solche einsame Orte sind immer wieder schön anzuschauen, viel erwarten darf man aber nicht. Ein paar Häuser, ein oder zwei Motels, die auf Gäste warten, die wahrscheinlich nicht kommen werden. Meistens hat es nicht mal einen Laden, in dem eingekauft werden kann. Trotzdem immer schön anzuschauen, wo die Zeit stehen geblieben zu sein scheint.
220313-3Die Weiterfahrt bringt uns zum Franz Josef Glacier, ein kleines Touristenkaff, das mehr als den Gletscher nicht zu bieten hat. Nätürlich fahren wir zum Gletscher hin, gehört hier in Neuseeland einfach dazu, obwohl wir Schweizer solche Gletscher, die bei uns noch 10mal grösser sind, schon 1000mal gesehen haben. Bis ganz an den Gletscher heran laufen wir zwar nicht, aber er sieht auch aus der Ferne schon imposant aus.
Nach dem Franz Josef, Weiterfahrt Richtung Fox Glacier, dem zweiten Gletscher von Neuseeland, der an der Westküste per Fuss erreichbar ist. Erstaunlich für uns ist, dass jeweils bis wenige km vor den Gletschern noch der Regenwald heranreicht. Innerhalb weniger km kann man also Strand, dichten grünen Regenwald und garstige kalte Gletscher bestaunen. Noch ein Abstecher zum kleinen Lake Matheson, der bekannt für seine Spiegelungen ist. Leider hat es heute zuviel Wind, somit zuviel Wellen und daher sind die Spiegelungen leider nicht zu sehen. Aber scheinbar ist dieser Lake eine geldbringende Gegend, denn es wurde vor kurzem ein Restaurant gebaut und jetzt wird gerade am Parkplatz erstellt, auf dem 150 Autos Platz haben.
Das Wetter am Lake Matheson ist noch sonnig, hinten an den Bergen, nur wenige Kilometer entfernt regnet es aber bereits. Trotzdem fahren wir zum Fox Glacier. Auch hier muss zuerst ca. 30 Minuten gelaufen werden bevor man am Gletscher ankommt. Wir sind aber bereits nach 15 Minuten wieder umgekehrt, da es zu regnen begann. Die Sicht auf den Gletscher war auch von unserer Position aus genügend.
Die Weiterfahrt Richtung Süden in den Abendstunden ist richtig schön. Ab 17 Uhr ist das Licht immer sehr warm und hervorragend um zu filmen und zu fotografieren. So haben wir noch etliche Stopps gemacht um die schöne Landschaft festzuhalten.
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220313-7Kurz vor Haast überqueren wir die längste One Lane Bridge Neusselands, die 700 Meter lang ist. Es hat aber zwei Ausweichbuchten, sonst würde das kaum funktionieren. Um 19 Uhr Ankunft im einsamen Haast. Wenigstens hat es einen Top10 Campground, so können wir nach zwei Tagen endlich wieder unter eine warme Dusche springen. Als wir beim Camping Host nachfragen, ob wir hier Internet haben, schaut er uns verwundert an: „Internet? Sie sind hier in Haast am Ende der Welt, hier gibts nicht mal Mobilfunkempfang“. Tatsächlich, weder Telekom noch Vodafone haben es bisher geschaft hier eine Antenne zu montieren. Diese Leute leben noch im Zeithalter des Festnetzes…..

Temperatur: 20 Grad